Der Gemeinderat Wenzenbach hat einstimmig den Weg für ein neues, zukunftsfähiges Konzept der Nahversorgung freigemacht. Damit endet ein mehrjähriger, intensiver Diskussions- und Abstimmungsprozess, der von unterschiedlichen Interessen, städtebaulichen Anforderungen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt war.
Seit dem Amtsantritt des Ersten Bürgermeisters im Jahr 2014 wurde der Ausbau der B16 konsequent als Chance für die Weiterentwicklung der Gemeinde genutzt. Nach der Sicherung der Südspange folgten umfangreiche Grunderwerbsverhandlungen für die Westumfahrung. Im Winter 2019/2020 konnte schließlich ein entscheidender Meilenstein erreicht werden: Die erforderlichen Flächen für die Straße und ein Nahversorgungszentrum (NVZ) wurden gesichert. Erst ab diesem Zeitpunkt war eine seriöse und belastbare Projektierung des NVZ möglich.
Ziel der Gemeinde war es von Beginn an, die Nahversorgung an der Westumfahrung modern, leistungsfähig und attraktiv zu gestalten und gleichzeitig eine Grundversorgung im Ortskern zu erhalten. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Versorgung älterer Menschen sowie auf einem ansprechenden Ortsbild ohne Leerstände oder städtebauliche Fehlentwicklungen.
Die Verhandlungen über eine sogenannte Vorzugsregelung zugunsten einer innerörtlichen Lösung gestalteten sich schwierig. Trotz mehrerer Gemeinderatsbeschlüsse ab dem Jahr 2020 zu Warenkörben und Mindestlaufzeiten konnte zunächst keine Einigung erzielt werden. Im Februar 2024 zeichnete sich schließlich eine konzeptionelle Neuausrichtung für den innerörtlichen Standort ab. In nichtöffentlicher Sitzung stellten EDEKA und Netto eine neue Lösung für die Bahnhofstraße vor; zwischenzeitlich konnten offene Punkte zwischen den Beteiligten geklärt werden.
Zusätzliche Dynamik erhielt das Verfahren durch einen alternativen Investor, der im Sommer ein neues Konzept für die Westumfahrung präsentierte und dafür breite Zustimmung erhielt. Zwar wurde die ursprünglich für Dezember vorgesehene Entscheidung vertagt, um weitere Entwicklungen abzuwarten, parallel dazu optimierten die Investoren der IBS ihre Planungen insbesondere in architektonischer Hinsicht, unter anderem durch mehr Eingrünung sowie den Einsatz von Holz- und Glaselementen.
Mittlerweile liegt die verbindliche Zusage vor, dass ALDI, ROSSMANN und EDEKA mit erheblichem Investitionsvolumen in das Nahversorgungszentrum an der Westumfahrung einziehen werden. Innerorts ist die Ansiedlung eines Netto-Marktes vorgesehen, für den ebenfalls weitere Investitionen in der Bahnhofstraße zugesagt wurden. Dies unterstreicht die langfristige Perspektive der geplanten Lösungen.
Nach Jahren einer emotional und kontrovers geführten Debatte – mit ökologischen Fragestellungen, politischen Auseinandersetzungen und unterschiedlichen Bewertungen der planerischen Vorgaben – setzt der einstimmige Beschluss des Gemeinderats nun ein starkes Zeichen. Er dokumentiert die Bereitschaft aller Beteiligten, einen tragfähigen Konsens zu tragen, der sowohl den gemeindlichen Zielen als auch den wirtschaftlichen Realitäten des Handels Rechnung trägt.
Die Gemeindeverwaltung wird nun die Bauleitplanung weiter vorantreiben. Zwar sind im weiteren Verfahren noch Detailfragen, insbesondere zu städtebaulichen Vereinbarungen, zu klären, doch der Gemeinderat ist sich einig, das aktuelle Momentum für ein überzeugendes Gesamtkonzept zu nutzen. Die nun getroffene Grundsatzentscheidung schafft eine verlässliche Grundlage und soll dem Genehmigungsprozess im Jahr 2026 spürbaren Schub verleihen.